Presse

aus "bella" Nr. 46 vom 07. November 2012



Mit allen Sinnen erleben und entdecken

Forscherwerkstatt – Birgitta Gräber-Bickel führt Kinder an die Natur heran

HEPPENHEIM. Naturpädagogin Birgitta Gräber-Bickel bietet gemeinsam mit der Kreisvolkshochschule Bergstraße in den Herbstferien eine Forscherwerkstatt für Kinder an.
 


Aufgeregt wuseln zwei Mädchen und drei Jungen am Rand der Freilichtbühne umher und begutachten den Boden an einer Böschung. Zu sehen gibt es Erde. Und Steine. Und Blätter. Jede Menge. Und das ist ganz schön spannend.
Die Sieben- bis Achtjährigen nehmen an einer Forscherwerkstatt teil, die Birgitta Gräber-Bickel in Kooperation mit der Kreisvolkshochschule Bergstraße im Hof der Schloss-Schule an vier Tagen in den Herbstferien anbietet. Der Titel lautet „Feuer – Wasser – Erde – Luft“. Die Elemente geben das Thema vor, mit dem sich die Kinder jeweils einen Vormittag lang beschäftigen.

Am Dienstag waren sie in der Stadt und im Wald unterwegs, um sich mit der „Erde“ auseinanderzusetzen. „Wir sind auf der Suche nach verschiedenen Bodenarten“, sagt Birgitta Gräber-Bickel, die seit 15 Jahren als Naturpädagogin hauptsächlich mit Kindern arbeitet. Ausgerüstet mit Bechern, Papiertüten, einer Schaufel und einer Lupe läuft sie mit den Kindern los. Schon auf dem Weg von der Schloss-Schule in den Wald oberhalb der Freilichtbühne gibt es viel zu entdecken, auf dem Kirchplatz sammeln sie Sandstein und Kiesel. Sorgfältig packt Tamara beides getrennt voneineinander ein, „damit es sich nicht mischt. Wir brauchen das später ja noch“, sagt die Siebenjährige, denn nach dem Spaziergang wollen sie mit ihren Funden experimentieren. „Wir schütten den Inhalt nacheinander in ein großes Glas und schauen, was es alles gibt“, sagt Gräber-Bickel. Auch eine kleine Kläranlage wollen sie aus dem Naturmaterial bauen.
Auf der Kappel angekommen, packt Gräber-Bickel eine Schaufel aus, die sich gleich Tamara schnappt. Mit Feuereifer fängt das Mädchen an zu graben – gar nicht so leicht, denn an dieser Stelle ist die lehmige Erde feucht und pappig. Aber kurz darauf hat sie eine brauchbare Menge beisammen; dann ist Nils (8) an der Reihe, der sogleich ein Stückchen weiter links zu graben beginnt. Und siehe da: Dort ist die Erde fast trocken und gar nicht mehr pappig. Birgitta Gräber-Bickel lässt die Kinder eine Handvoll zwischen den Fingern zerreiben. „Und wie fühlt sich das an?“, fragt sie. „Wie Sand“, tönt es einstimmig aus den Kindermündern.
Auf einer Fläche von nur einem Quadratmeter finden die Kinder vier Arten von Erde. Ausgebreitet auf einem weißen Blatt Papier werden die Unterschiede gleich deutlich: Alle Häufchen haben verschiedene Konsistenzen und Farben. „Bei der dunklen lockeren Erde ist schon Humus enthalten“, erklärt die Pädagogin, „da waren die Bodentierchen schon fleißig“. Die nämlich zersetzen unter anderem heruntergefallenes Laub und sorgen so für die Entstehung von Erde. Deshalb sammeln die Kinder auch fleißig die leuchtend gelben, roten und grünen Blätter, die zum Teil an den Rändern schon angefressen sind. „Blätter sind die Vorstufe der Erde“, erklärt sie der Gruppe.
Ein Lernziel in dem Sinne gebe es jedoch nicht. Gräber-Bickel möchte die Kinder vielmehr an die Natur heranführen. „Ich gebe zwar den Rahmen vor, aber jeder soll Raum zum eigenen Entdecken haben.“
Dazu gehört beim Ferienkurs neben der täglichen Exkursion auch das Basteln und Experimentieren. Die Kinder sollen die Natur erleben, aber nicht als Erlebnis. „Das ist mir wichtig, ich will keine Highlights der Natur bieten, sondern ihnen ihren unmittelbaren Lebensraum zeigen“. Und wie ginge das Entdecken der Natur besser, als anhand der vier Elemente?
„Am meisten freuen wir uns auf das Thema Feuer“, sind sich die Kinder einig. Aber da müssen sich die Fünf bis Donnerstag gedulden. Derweil sorgen Steine, Blätter und Co. genauso für Begeisterung.

 aus: Echo Online, 24.10.2012